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Weitere Indikatoren häuslicher Gewalt

Gewalttaten in der Familie stellen für die Opfer einen immensen Stressfaktor dar. Die Auswirkungen zeigen sich nicht nur auf rein physischer Ebene, sondern auch in psychischen und psychosomatischen Beschwerdebildern sowie in psychosozialen Auffälligkeiten.

 

Frau rothaarigIn Bezug auf psychische Störungen belegen US-Studien, dass 29 % der Frauen, die einen Suizidversuch unternommen haben, Gewalt erfahren hatten (1), 37 % der Frauen mit Gewalterleben unter Depressionen leiden (2, 3), 46 % mit Angst- und Panikattacken (4) und 45 % mit posttraumatischen Belastungsstörungen reagieren (3).
In der Studie „Lebenssituation, Sicherheit und Gesundheit von Frauen in Deutschland“ (5) wurde bspw. angeführt, dass gewaltbetroffene Frauen im Vergleich zu anderen Frauen deutlich öfter unter gesundheitlichen Beschwerden wie z. B. Kopfschmerzen, Magen-Darm-Problemen und Unterleibs- bzw. gynäkologischen Beschwerden litten. Frauen, die sexualisierte Gewalt und Gewalt in der Beziehung erlebt hatten, gaben verstärkt Komplikationen bei Schwangerschaft und Geburt sowie Unterleibsoperationen an. Deutlich häufiger wurden auch psychische Beschwerden genannt.< Viele der Indikatoren sind für sich allein keine eindeutigen Hinweise auf das Vorliegen von Gewalt im sozialen Nahbereich, aber sie können Warnsignale und ein Grund für erhöhte Aufmerksamkeit sein. Das Auftreten mehrerer der unten angeführten Symptome und Auffälligkeiten erhöht die Wahrscheinlichkeit einer Gewaltanamnese.

Psychische Symptome:

  • Übererregtheit
  • frozen watchfulness, Apathie, Sprachlosigkeit
  • Intrusionen
  • Scham- und Schuldgefühle
  • selbstschädigendes Verhalten – Alkohol, Drogen, Cutting, Verlust von Selbstschutz
  • Suizidgedanken, Suizidversuche
  • Fahrigkeit, Schreckhaftigkeit
  • Überangepasstheit
  • Schlafstörungen
  • Angstzustände
  • Dysphorie, missmutige, unausgeglichene Verstimmtheit
  • schnell wechselnde Stimmungslagen, welche es dem Gegenüber schwer machen, sich einzufühlen


Psychosomatische Symptome:

  • verschiedene Beschwerdebilder an wechselnden Körperregionen
  • Unterleibsbeschwerden
  • Atembeschwerden
  • Hautbeschwerden, Veränderungen an der Haut
  • Magen-Darm-Beschwerden
  • Erschöpfungszustände


Psychosoziale Auffälligkeiten:

  • häufige Inanspruchnahme medizinischer Behandlung bei unterschiedlichen Einrichtungen
  • unverhältnismäßig lange Zeitspanne zwischen Verletzungszeitpunkt und Behandlung
  • Verleugnung, widersprüchliche Erklärungen zu Verletzungshergang
  • überprotektives Verhalten der Begleitperson, kontrollierendes Verhalten
  • Schreckhaftigkeit
  • bei gezielten Fragen extreme Abwehrreaktionen


Die obige Aufzählung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.




Literatur:
(1) Vgl. Stark E., Flitcraft A.: Killing the beast within: Women battering and female suicidality. International Journal of Health Science 25 (1), S. 43–64.
(2) Vgl. Gelles R. J., Straus M. A.: Intimate partner violence: The causes and consequences of abuse in American family. New York: Simon & Schuster, 1998.
(3) Vgl. Houskamp B. M., Foy D.: The assessment of posttraumatic stress disorder in battered women. Journal of Interpersonal Violence 6 (3), 1991, S. 367–375.
(4) Vgl. Gelles R. J., Harrop J. W.: Violence, battering, and psychologic distress among women. Journal of Interpersonal Violence 4, 1989, S. 400–420.
(5) Vgl. Müller U., Schröttle M.: Lebenssituation, Sicherheit und Gesundheit von Frauen in Deutschland. Eine repräsentative Untersuchung zu Gewalt gegen Frauen in Deutschland. Im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Berlin: 2004.