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Formen häuslicher Gewalt

Häusliche Gewalt ist jede Art physischer, psychischer, ökonomischer und/oder sexualisierter Misshandlung innerhalb bestehender oder ehemaliger enger Beziehungen.

 

GeschäftsfrauSie wird fast ausschließlich von Männern gegenüber Frauen ausgeübt und findet überwiegend zu Hause, im vermeintlichen Schutzraum der eigenen vier Wände statt. Mit dem Begriff der häuslichen Gewalt wird ein komplexes Muster vielschichtiger Handlungs- und Verhaltensweisen beschrieben, die darauf zielen, Macht und Kontrolle über eine andere Person, ihr Handeln und Denken zu gewinnen.
Täter und Opfer finden sich in allen sozialen Schichten, unabhängig von Bildungsstand, Einkommen, Status, Kultur, Herkunft oder Alter.
Alkohol, soziale Probleme und Arbeitslosigkeit werden häufig als Begründung für häusliche Gewalt herangezogen. Sie können zwar der Auslöser von Gewalt sein, ursächlich sind sie jedoch nicht (siehe auch: Mythen und Stereotype). Die Ursachen liegen in den immer noch bestehenden ungleichen Geschlechterverhältnissen und dem daraus resultierenden Rollenverständnis, in der Unfähigkeit, Konflikte auf gewaltfreie Art zu lösen und in der persönlichen Biografie. So wird das Problem der Beziehungsgewalt seit den 1990er-Jahren offiziell berücksichtigt, Gewalt gegen Frauen wird nicht länger als privates Phänomen gesehen, sondern ist seit der UN-Menschenrechtskonferenz 1993 in Wien als Menschenrechtsverletzung anerkannt.

Als „Gewalt gegen Frauen“ definierte die UN-Erklärung von 1993
„... jede gegen Frauen auf Grund ihrer Geschlechtszugehörigkeit gerichtete Gewalthandlung, durch die Frauen körperlicher, sexueller oder psychologischer Schaden oder Leid zugefügt wird oder zugefügt werden kann, einschließlich der Androhung derartiger Handlungen, der Nötigung und der willkürlichen Freiheitsberaubung ...“

Alle Formen von Gewalt an Frauen sind im Zusammenhang mit struktureller Gewalt zu sehen: Diese spiegelt sich in der gesellschaftlichen und ökonomischen Ungleichbehandlung zwischen den Geschlechtern wider. Sie bildet ein System von gesellschaftlichen und kulturellen Regeln, Mustern und Verpflichtungen, die die Frau in ihrer Entwicklungs- und Handlungsfreiheit einschränken und ihr ein Bild von Minderwertigkeit vermitteln.

Psychische Gewalt
Unter psychischer Gewalt versteht man Handlungen und Verhaltensweisen, Worte, welche die Identität und den Selbstwert einer Person gefährden und beeinträchtigen, z. B. durch Beschimpfungen, Kontrollverhalten, Drohungen, soziale Isolation, Mord- und Suizidandrohungen (auch gegenüber Dritten), Erpressungen, Druckausübung durch Beschädigung persönlicher Gegenstände und/oder Quälen bis Töten von Haustieren.

Stalking
Stalking ist dadurch gekennzeichnet, dass Personen durch ein systematisch zielgerichtetes und beharrliches Verhalten (Verfolgen, Belästigen, Bedrohen, Verleumden) in Angst und Hilflosigkeit versetzt und somit in ihrer Freiheit und Autonomie eingeschränkt werden.

Physische Gewalt
Physische Gewalt äußert sich als körperlicher Angriff gegen eine Person und kann vom Schubsen und Stoßen über Ohrfeigen, Schlagen, Würgen, An-den-Haaren-Ziehen, Zufügen von Tritt- und Brandwunden, tätliche Angriffe mit Gegenständen, Schlag-, Stich- oder Schusswaffen bis hin zu Tötungsdelikten reichen.

Sexualisierte Gewalt
Unter sexualisierter Gewalt versteht man jede aktive oder passive Form von Sexualität und Sexualpraktiken gegen den Willen der Frau. Dazu gehört jede Nötigung zu sexuellen Handlungen (auch mit Dritten oder „Verkauf“ an Dritte) und jede Erniedrigung einer Frau im sexuellen Bereich bis hin zur Vergewaltigung. Bei Frauen aus einigen Kulturkreisen ist die Genitalverstümmelung mit zu berücksichtigen.

Ökonomische Gewalt

Ökonomische Gewalt heißt: finanzielle Abhängigkeit herstellen bzw. aufrechterhalten, keine bzw. ungenügende Geldmittel für den Unterhalt bereitstellen, nicht gewollte finanzielle Verpflichtungen aufzwängen, die Arbeit oder Ausbildung verbieten oder verhindern, die Arbeitskraft ausnutzen, die Verfügungsmacht über finanzielle Mittel missbrauchen.

Miterlebte Gewalt bei Kindern
Kinder, die in einer Gewaltbeziehung aufwachsen, werden mitunter ebenfalls misshandelt. Doch auch wenn sie keine direkte Gewalt erfahren, sind sie stets Zeugen und somit Opfer der miterlebten Gewalt. Sie sehen, hören, spüren immer die Gewalt, die jemand gegenüber einer dem Kind wichtigen Bezugsperson ausübt. (Siehe auch: Miterlebte Gewalt)

Häusliche Gewalt gegen Frauen zeigt sich fast immer in einer Kombination der genannten Formen. Gewalttätige Handlungen sind in der Regel keine Einmaldelikte, sondern Bestandteil eines Misshandlungssystems, in dem die Abstände zwischen den Vorfällen kürzer werden und die Heftigkeit der Gewalt zunimmt. Als gefährlichste Phase für von häuslicher Gewalt betroffene Frauen und deren Kinder ist die Zeit einer Trennung/Scheidung anzusehen.