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Fallbeispiel Migrationshintergrund

 

Naomi ist 35 Jahre alt und seit dem Sommer 2006 wohnt sie in Bozen. Sie kommt aus Uganda und hat dort ihren Partner kennen gelernt. Anfangs führten sie eine „Fernbeziehung“, doch als Naomi schwanger wurde, wollte der Mann, dass sie zu ihm nach Südtirol zieht. Naomi war diesbezüglich etwas unsicher, da sie in Uganda eine gute Arbeit als Lehrerin und eine eigene Wohnung hatte. Sie hat sich aber trotzdem für einen Umzug entschieden, da sich ihr Partner nicht vorstellen konnte, in Uganda zu leben. Nach ihrem Umzug nach Südtirol und der Geburt des Kindes haben sie geheiratet.
In Südtirol angekommen ging es zunächst gut, aber im Laufe der Zeit wurde ihr Partner immer fordernder und verlangte von ihr, sie solle doch endlich eine Arbeit finden und nicht nur auf seine Kosten leben. Er hat immer betont, dass alles ihm gehöre, die Wohnung, der Fernseher, und sie sich doch selbst um eine Arbeit kümmern solle. Naomi spricht neben ihrer Muttersprache nur Englisch und trotz ihrer guten Ausbildung und ihrer Bemühungen war es für sie nicht möglich, sofort Arbeit zu finden. Da sie in ihrer Heimat immer gearbeitet hatte und selbstständig war, war es für sie besonders belastend, finanziell vom Mann abhängig zu sein. Dazu kommt, dass ihr Mann ihr auch verboten hat, mit der Familie in Uganda in Kontakt zu bleiben, und zwar unter dem Vorwand, dass es zu teuer sei. Die Familie des Mannes war von Anfang an gegen die Beziehung und vermied jeden Kontakt zu ihr. Naomi fühlte sich allein gelassen, isoliert und völlig abhängig von ihrem Mann. Durch die sprachlichen Schwierigkeiten und die allgemeine Verunsicherung hatte sie kaum Kontakte zu anderen und blieb daher vor allem in der Wohnung. Die Situation spitzte sich immer mehr zu, bis der Mann begann, Naomi zu schlagen. Eines Tages kam es wieder einmal zu einem Gewaltausbruch, nachdem Naomi ihrem Mann gegenüber den Wunsch geäußert hatte, wieder zurück in ihre Heimat zu gehen. Ihr Mann wurde daraufhin wütend und warf sie gewaltsam aus der Wohnung, wo er mit dem Kind zurückblieb. Naomi wandte sich daraufhin an die Polizei.