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Allgemeines

 

MigrantinDas Wort Migration stammt vom lateinischen „migrare“ ab und bedeutet Wanderung. Man unterscheidet zwischen Immigration (Einwanderung) und Emigration (Auswanderung). Als Emigrantinnen/Emigranten werden jene Menschen bezeichnet, die von einem Wohnsitz/Land zu anderen Wohnsitzen/Ländern wandern. Wechseln diese Menschen ihren Wohnsitz, das Land, um am Zielort zu bleiben, so nennt man sie Immigrantinnen/Immigranten. Als sozialer Prozess kam die Migration in der Menschheitsgeschichte immer vor. Es gibt viele Motive für Migration, unter denen sich zwei Hauptmotivationen ausmachen lassen. Erstens die Flucht und zweitens die Suche nach Arbeit. Die Migration von Frauen hat oft andere Gründe und Formen als die von Männern: Angst vor geschlechtsspezifischer Verfolgung, Vergewaltigung, Beschneidung, als Au-pair-Mädchen oder Pflegekraft zu arbeiten, Heirat oder Familiennachzug sind dabei die häufigsten Motive.
Der gegenständliche Artikel sowie die Erfahrungsberichte beziehen sich ausschließlich auf den Migrationshintergrund weiblicher Opfer. Es ist dabei nicht zwingend darauf zu schließen, dass die männlichen Täter ebenfalls einen Migrationshintergrund haben müssen. Sie können auch Inländer sein.
Einer Studie der WHO (1) zufolge handelt es sich „bei häuslicher Gewalt gegen Frauen um ein weltweites soziales Problem …“. In Österreich und Italien leben Migrantinnen/Migranten unterschiedlicher Herkunft und unterschiedlicher Einwohnerzahl. Nach dem Migrationsbericht der Organisation für Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) (2) sind 13 % der in Österreich lebenden Menschen Zuwanderer. Die am zahlreichsten vertretenen Herkunftsländer sind Deutschland, Serbien-Montenegro sowie Türkei und Polen.
In Italien hingegen liegt der Ausländer/innenanteil nach Schätzungen der Caritas bei 6,7 % (3). Die hier am meisten vertretenen Herkunftsländer sind Rumänien, Albanien, Marokko und die VR China.
In Österreich und Italien liegen unterschiedliche fremdengesetzliche Grundlagen vor, die das Leben von Migrantinnen/Migranten im jeweiligen Land bestimmen.
Migrantinnen erleiden nicht nur häusliche Gewalt durch den Ehemann/Partner/Vater, sondern werden in ihrer Suche nach Hilfe und Unterstützung häufig auch durch rechtliche und sprachliche Barrieren behindert, da sie zumeist über geringe bis fehlende Sprachressourcen verfügen. Bei manchen Gruppen von Migrantinnen liegen besondere Formen der häuslichen Gewalt vor, wie Zwangsverheiratung oder Ehrenmord.
In vielen Ländern fehlen wissenschaftliche Untersuchungen über den Zusammenhang von Migration und häuslicher Gewalt. Aus diesem Grund wird in den Kapiteln Migration in Tirol sowie Migration in Südtirol die Situation von Migrantinnen sowohl in Österreich als auch in Italien in Form von Erfahrungsberichten dargestellt.

Literatur:
(1) WHO (2005): Multi-country Study on Women’s Health and Domestic Violence against Women. Initial results on prevalence, health outcomes and women’s responses. Langfassung, 6. 7. 2009
(2) OECD: Migrationsbericht 2007
(3) Dossier Statistico Immigrazione Caritas – Migrantes 2008, 11. 7. 2009