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Voraussetzungen

Es ist von grundlegender Bedeutung, dass Ärztinnen/Ärzte und Pflegepersonal Patientinnen fragen, ob sie Gewalt erfahren (haben), da sie oft die ersten, und nicht selten die einzigen Fachleute sind, welche die Folgen der Gewalt zu sehen bekommen.

 

PatientingesprächDen Patientinnen soll auf direkte Art und Weise mitgeteilt werden, dass die Fachkräfte im Gesundheitsbereich zum Thema häusliche Gewalt und ihren möglichen Folgen sensibilisiert und ausgebildet sind, da nur wenige Frauen sofort bestätigen, sich in einer Gewaltsituation zu befinden bzw. Gewalt erfahren zu haben.
Die Intervention des Gesundheitspersonals dient dazu, Beschwerden und Verletzungen zu erkennen und adäquate Informationen zu geben, um den Auswirkungen der Gewalt angemessen zu begegnen. Der Weg, den eine Frau in einer Gewaltsituation auf der Suche nach geeigneten Hilfsangeboten zurücklegt, ist oft lang und schwierig. Eine Frau, die sich nach außen wendet, muss ihre Scham- und Schuldgefühle überwinden und die vielen Vorurteile und Stereotype, die mit der Thematik „Gewalt gegen Frauen“ verbunden sind.

Voraussetzungen für die Gesprächsführung mit gewaltbetroffenen Patientinnen


Sich Zeit nehmen
Ärztinnen/Ärzte und Pflegepersonal sollten sich die Zeit nehmen, der Patientin zuzuhören und sie zu unterstützen. Auch wenn die Zeit knapp ist, ist es unerlässlich, zumindest eine vollständige Dokumentation des psychophysischen Zustandes der Patientin zu erstellen, auf Hilfseinrichtungen hinzuweisen und eine Info-Card mitzugeben.

Setting
Meistens leben Frauen, die Gewalt erfahren, in ständiger Angst, Unsicherheit und Gefahr, deshalb ist der Aufbau eines Vertrauensverhältnisses besonders wichtig.

Herstellung einer Atmosphäre des Vertrauens und des Schutzes
Bevor die Frau gefragt wird, ob sie Gewalt erfahren hat, ist es notwendig, eine Atmosphäre zu schaffen, die es ihr ermöglicht, sich zu öffnen, indem man ihr Respekt und Verständnis entgegenbringt. Das Gespräch sollte in einem ruhigen Umfeld, wenn möglich ohne Unterbrechungen, stattfinden; dies erleichtert es der Frau, Vertrauen aufzubauen. Es ist notwendig, das Gespräch und die Untersuchung mit der Frau allein – also ohne Begleitpersonen, auch ohne Familienangehörige und vor allem ohne Ehemann/Lebensgefährten/Partner – durchzuführen, um Sicherheit und Schutz gewährleisten zu können. Das Gesundheitspersonal muss sich dessen bewusst sein, dass das Gespräch und die Unterstützung für die Patientin lebensrettend sein können.

Individuelle Lebenssituation der Frau
Sowohl im Gespräch als auch bei den einzelnen Schritten der Intervention ist zu berücksichtigen, dass die Situationen, in denen sich die Frauen befinden, unterschiedlich und spezifisch sind. Zum Beispiel sind Frauen mit Migrationshintergrund (siehe auch: Patientinnen mit Migrationshintergrund), Frauen mit Behinderung, mit Abhängigkeitsproblematik, Seniorinnen in einer noch komplexeren Lage, welche besonders zu beachten ist.

Klare Haltung gegen die Gewalt
Es ist wichtig, der Patientin gegenüber mit Klarheit und Bestimmtheit eine eindeutige Haltung gegen die Gewalt einzunehmen, die Gewalt als Straftat zu benennen und zu unterstreichen, dass die Frau keinerlei Verantwortung für das Verhalten des Täters hat. Niemand verdient es, misshandelt zu werden, deshalb sind Fragen über mögliche Gründe der Gewalt zu vermeiden (z. B.: Was haben Sie gemacht, dass Ihr Mann Sie geschlagen hat?). Solche Fragen können Schuld- und Schamgefühle der Frau fördern und geben ihr die Verantwortung für die erlittene Gewalt.